ERSTE HILFE ADOPTION (Tipps von Adoptierten für Adoptierte)
Erste Hilfe, First Aid Adoption
Du hast
erfahren, dass Du adoptiert wurdest oder Du willst Deine leiblichen
Eltern kennen lernen?
Hier einige Hinweise, die wir Dir als erste
Hilfe anbieten.
1. Ich bin adoptiert (worden). Was bedeutet das?
Deine
leibl.
Mutter (zumeist bei nichtehelichen Kindern), Deine leibl.
Familie hat sich einverstanden erklärt, dass Du das Kind anderer Eltern
wirst. Die meisten adoptierten Kinder sind uneheliche Kinder gewesen
(bei Auslandsadoptionen, d.h. wenn Du im Ausland geboren wurdest, sind
Tendenzen schwieriger auszumachen, d.h. es kommt mehr auf den
Einzelfall an). Kaum ein adoptiertes Kind entstammt aus einer
Vergewaltigung oder ist das Kind einer Prostituierten. Manche Kinder
waren vorher in einem Säuglings- oder Kinderheim.
Bist Du noch
zu Zeiten der ehemaligen DDR geboren, solltest Du Dich mit dem Thema
„Zwangsadoption“ auseinandersetzen. Darunter versteht man, dass leibl.
Müttern oder leibl. Eltern – die etwa in die Bundesrepublik ausgereist
sind – ihre Kinder – gegen ihren Willen – d.h. aus politischen Gründen
weggenommen wurden. Das war ein Willkürakt des Staates und entbehrte
jeder rechtlichen Grundlage.
Aber bei weitem nicht alle
Adoptionen in der DDR waren Zwangsadoptionen. Trotzdem ist das ein
Thema, mit dem sich in der DDR geborene Adoptierte, auseinandersetzen
sollten.
In der Bundesrepublik gab es in wenigen Ausnahmefällen
die Ersetzung der Einwilligungserklärung der leibl. Familie, der leibl.
Mutter durch das Gericht. Das hat nichts mit Zwangsadoption zu tun und
hatte i.d.R. gute Gründe. Zahlenmäßig sind diese Fälle aber unbedeutend.
Ein
wichtiges Jahr ist das Jahr 1977.
Vor
1977 wurde eine Adoption (Deutschland West) via notariellen Vertrag
durchgeführt. Die einzelnen Schritte kannst Du nachstehender Grafik
entnehmen.
Grafik 1 (Zum Betrachten ist eine Registrierung im
Forum erforderlich!!!)
Wohingegen
eine Adoption ab 1.1.1977 - wie der folgenden Grafik zu entnehmen - nur
noch vom Vormundschaftsgericht durchgeführt wurde.
Grafik
2 (Zum Betrachten ist eine Registrierung im Forum erforderlich!!!)
Anhand
dieser
Grafiken ist es möglich, sich einen Überblick über die
verschiedenen Adoptionsvorgänge zu verschaffen. Dieser kann einem nicht
nur helfen, seine eigene Adoption und den Vorgang besser einordnen zu
können, sondern es ergeben sich dadurch auch unterschiedliche
Möglichkeiten bei der Suche nach Informationen.
Seit 1.1.1977 bist
Du durch die Adoption nicht mehr mit Deiner leibl. Familie verwandt, vorausgesetzt, Du bist am 1.1.1977 minderjährig gewesen.
Erfolgte in 1977 kein Einspruch, gilt das neue Recht auch für
Adoptionen vor dem 1.1.1977, was zumeist der Fall ist. Bist Du am 1.1.1977 volljährig gewesen so gilt das alte Adoptionsrecht und Du bist mit Deiner leibl. Familie erbberechtigt.
Deine leibl.
Familie, Deine leibl. Mutter darf nicht nach Dir suchen (sog.
Inkognito-Adoption/Ausforschungsverbot). D.h. nicht, dass sie Dir
vielleicht einen Brief, eine Nachricht am zuständigen Jugendamt
hinterlassen hat und vor allem auch, dass sie nicht gute Gründe hatte,
Dich „loszulassen“: Rechne mit allem. Einer verständnisvollen leibl.
Mutter (Familie), die gute Gründe hatte, die wollte, dass es Dir gut
oder besser ging, aber auch mit leibl. Müttern, Familien, die nicht an
Dir interessiert waren. Beides ist möglich, beides kommt vor.
Deine
Adoptiveltern
wissen in der Regel nicht viel über Deine Herkunft. Je
weiter zurück Deine Adoption liegt, je weniger wissen sie üblicherweise
(und umgekehrt).
2. Du bist nicht allein
Genaue
Zahlen gibt es nicht, aber es wird allgemein geschätzt, dass in
Deutschland seit 1945 etwa 200.000 Kinder adoptiert wurden. Gemeint
sind hier sog. „Fremdadoptionen“ minderjähriger Kinder (es gibt auch
sog. „Stiefkindadoptionen“).
Manche Menschen wissen, dass sie
adoptiert wurden, manche aber auch nicht. Die, die es wissen, werden es
sicherlich nicht gleich jedem erzählen. Nicht, weil sie sich schämen,
sondern weil es für die meisten gar nicht erwähnenswert ist. Sie
vergessen es einfach, weil sie ihr Leben leben, wie andere auch - eine
Familie haben, Freunde... Da steht dieses Thema eben nicht im
Vordergrund. Warum auch… Vielleicht findet sich ja auch in Deinem
näheren Umfeld jemand, der adoptiert ist. Wer weiß das schon?
3. Warum wurde ich adoptiert und wo komme ich her?
Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Jede Adoptionsgeschichte ist anders. Daneben gibt es aber einige „Trends“, d.h. immer wieder auftretende Gemeinsamkeiten. Wirkliche Horrorgeschichten sind die wenigsten Adoptionsgeschichten (auch wenn das im www einige behaupten). Laß Dich von solchen Geschichten nicht beeinflussen, denn manchen Geschichtenschreibern geht es nur um Selbstdarstellung und Anerkennung. Manche leibliche Mütter, die wir hier mal als "schwarze Schafe" bezeichnen wollen, stellen sich z.B. als Opfer einer Adoptionsmafia dar, leugnen jegliche eigene Verantwortung und schrecken selbst nicht davor zurück, Adoptierte anzugreifen, die glücklich bei ihren Eltern aufgewachsen sind. Verschaffe Dir einen Überblick über die Fakten von Adoption.
Bewerte alle Geschichten,
die Du liest oder hörst, sei es aus Büchern oder dem www als das, was
sie sind: subjektive Berichte von einer Seite des Adoptionsdreieckes.
Behandle sie auch so, denn Deine eigene Geschichte ist für Dich noch
ein Buch mit leeren Seiten, welches Du selbst schreiben musst, wenn Du
es denn willst.
Am wenigsten kannst Du erwarten, als „Prinz oder
Prinzessin auf der Erbse“ geboren zu sein, zumeist sind zur Adoption
gekommene Kinder sog. „Sozialwaisen“, d.h. die leibl. Mutter, die
leibl. Eltern KONNTEN, DURFTEN oder WOLLTEN Dich nicht in ihrer Familie
großziehen. Jedenfalls solltest Du Dir bewusst sein, dass es triftige
Gründe dafür gegeben hat, dass Deine Mutter oder jemand anderes
entschieden hat, dass Du weggegeben wurdest. Im www findest Du auch
dazu viele Erklärungen, deren Glaubwürdigkeit Du genau prüfen sollest.
Wie schon gesagt, betrachte die Fakten und gehe unvoreingenommen, aber
nicht blind an die eigene Geschichte heran…
4. Ich bin völlig „durch den Wind“, was soll ich, was kann ich tun?
Du
fühlst Dich auf einmal völlig anders, als andere Personen? Du siehst
Deine Eltern an und ertappst Dich dabei, sie als Fremde zu sehen und
dann auch wieder doch nicht? Du fühlst Dich betrogen und belogen? Du
fühlst Dich allein?
Hierbei bist du ebenfalls nicht allein. Das
haben wir alle mal durchgemacht, egal ob wir heute 16 Jahre oder 65
Jahre alt sind.
Es
kommt auch immer darauf an, von wem oder wie Du von Deiner Adoption
erfahren hast. Haben es Dir Deine Eltern erzählt, rede mit Ihnen.
Vielleicht haben sie auch schon Antworten auf Fragen von Dir. Wenn
nicht, ist dies eine schwierigere Situation. Spreche mit Deinen Eltern
darüber, wenn es Dir möglich ist oder erst einmal mit Freunden. Tue das, was Dir gut tut!
Denke in jedem Fall im Stillen darüber nach: Was bedeutet es für Dich,
adoptiert zu sein? Was ändert sich jetzt für Dich? Ändert sich
überhaupt etwas? Antworten gibt es nicht „umsonst“ und nicht „sofort“.
Hilfen eine ganze Menge, wie z.B. Bücher und auch im www. Doch hier ist
Vorsicht geboten, mach Dir selbst ein Bild, wer Dir seriös erscheint
und wer nicht.
Du kannst versuchen, Deine Herkunft aufzuklären,
musst Du aber nicht. Manche tun es, bis ins kleinste Detail, andere
wieder interessiert es nicht „die Bohne“. Entscheide Dich für den Weg,
mit dem Du leben kannst oder der Dir hilft, mit dieser Tatsache zu
leben… Entscheidest Du Dich für die Aufklärung der Herkunft, wird es
sicherlich Menschen geben, die dies nicht nachvollziehen können. Höre
nicht auf sie, sondern auf Dich…
5. Wie gehe ich eine Herkunftssuche an?
Einfach
fragen,
in unserem Forum bekommst Du Antworten von Betroffenen.
Sicherlich verschiedene Antworten, bei denen Du Dich dann entscheiden
kannst, welche für DEINEN Weg die richtigen wären. Jede Suche gestaltet
sich anders. Es gibt viele Möglichkeiten der Suche, je nachdem welche
Informationen man schon hat oder eben nicht. Jeder muss sich dazu mit
verschiedenen Behörden auseinandersetzen, wobei jeder Sachbearbeiter
mal hilfsbereiter und mal weniger hilfsbereit ist. Lasse Dich in jedem
Fall nicht entmutigen, nutze Deine Rechte und bleibe hartnäckig, denn
jeder hat das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Manchmal
vergessen das eben auch staatlichen Stellen….
Wie frage ich im
Forum?
Scrolle
im Forum einfach ganz nach oben. Dort siehst Du dann ein Bild, welches
eine Frau nachdenklich am Meer sitzend zeigt. Über diesem Bild ist der
Button zur Registrierung zu finden. Du musst Dich registrieren um
Fragen im Forum stellen zu können. Nach Deiner Registrierung bist Du
zwar angemeldet, jedoch musst Du Dich beim nächsten Aufruf des Forums
erneut anmelden (einloggen), das ist ein Unterschied zur Registration.
6. Auf wen muss ich Rücksicht nehmen?
Zuerst auf Dich selbst !
Adoption ist etwas, was wie ein Erdbeben vibrieren kann. Aber nicht
dauerhaft. Nachbeben sind nicht ausgeschlossen, aber irgendwann kommt
der „Wiederaufbau“ und die Ruhe. Übernimm Dich nicht, gebe Dir genügend
Zeit.
Für Deine Adoptiveltern ist die Situation vermutlich
schwerer als für Dich. Du wirst sie – vielleicht erstmals – wenig
souverän erleben. Das kann soweit gehen, dass Du sie ein Stück an die
Hand nehmen musst. Glück hast Du, wenn Du Adoptiveltern hast, die
souverän damit umgehen können. Es kann natürlich sein, dass sie aus
Angst, Dich zu verlieren, abblocken und Deine Suche nicht unterstützen.
Gib auch ihnen die Zeit, die sie brauchen, mit der Situation umzugehen
und ganz wichtig, gib ihnen das Gefühl, dass sie immer Deine Eltern
waren und bleiben und NICHTS dies ändern kann. Versuche ihnen z.B. zu
erklären, das Du keine neue Eltern suchst, sondern nur etwas über den
Beginn Deines Lebens und die Umstände erfahren willst, welche Dich zu
ihnen geführt haben. Und natürlich auch, ob Du Geschwister hast, die
eventuell das gleiche Schicksal erfahren haben könnten.
7. Deine leibl. Mutter, Deine leibl. Familie, wenn Du sie treffen solltest
Auch
hier ist vieles möglich. Du solltest nicht mit allzu großen Erwartungen
auf sie zugehen, aber Du solltest ihnen den Respekt zollen, den sie
verdient haben, wenn sie eine Entscheidung für Dein Wohlergehen
getroffen haben. Dazu musst Du sie natürlich kennen lernen. Niemand hat
zwei Eltern, aber aus einem behutsamen Aufeinanderzugehen kann viel
Verständnis füreinander erwachsen.
Rechne damit, dass manche
leibl. Mutter, leibl. Familie keinen Kontakt wünscht. Auch hierfür
werden viele verschiedene Gründe ins Feld geführt. Für manche ist es
einfach zu "schwer", andere haben einfach damit "abgeschlossen", andere
haben "unrealistische" Erwartungen.
Manche haben Angst vor einem
"Urteil" des leiblichen Kindes.
Hier solltest Du ihnen den feinen,
aber wichtigen Unterschied zwischen "verurteilen" und "bewerten" vor
Augen halten.
Freuen
sich Deine leiblichen Eltern, dass Du sie gefunden hast, was durchaus
der Fall sein kann, sei offen und ehrlich zu ihnen. Erkläre Ihnen,
warum Du Dich auf die Suche gemacht hast und wie Du Dir - wenn
überhaupt - einen dauerhaften Kontakt vorstellen könntest. Wenn nicht,
stelle klar, dass es Dir nur um Informationen geht, bevor sie sich
Hoffnungen machen, welche Du nicht erfüllen kannst. Ganz wichtig ist
dabei, dass Du ihnen Deinen Standpunkt klar machst, z.B. dass Du nicht
das Kind bist, welches nun wieder da ist, sondern ein Erwachsener, der
Eltern hat und nicht eine neue Familie sucht. Zeige Grenzen auf, wo es
Dir wichtig erscheint, denn bei manchen leiblichen Eltern, überwiegt
die Freude, "ihr" Kind wieder zu haben und sie gehen davon aus, dass es
Dir genau so geht. Mache Dir und Ihnen bewusst, dass das keine
Zurückweisung, sondern ganz normal ist. Leibliche Eltern brauchen in
Sachen Adoption oft noch "Nachhilfe", um die Folgen, welche diese für
Dich nach sich gezogen haben, zu verstehen. Entweder es funktioniert
und beide Seiten lernen die Wünsche des anderen zu respektieren, oder
eben nicht. Wenn nicht, musst Du kein schlechtes Gewissen haben, den
Kontakt auch wieder abzubrechen. Es bringt beiden Seiten nichts, wenn
eine Annäherung sich einfach nicht ergibt. Ihr habt jahrzehntelang in
unterschiedlichen Welten gelebt. Niemand kann verlangen und niemand hat
auch das Recht darauf, dass Du Dich anpasst.
Ganz wichtig ! Du bist nicht "schuld"
daran, dass Du zur Adoption
freigegeben wurdest. Aber Du bist in der
Lage zu bewerten, wer warum welche
Entscheidungen getroffen hat.
Alles andere ergibt sich daraus.
Deine
Welt wird sich weiter drehen, auch ohne Kontakt, so wie sie es vorher
getan hat, nur um das Wissen Deiner Herkunft reicher...
8. Mit meiner Adoption leben
Der
Vorteil ist, „es steht nicht auf der Stirn geschrieben“. Adoption ist
nichts für den Jahrmarkt, aber auch nichts für den Tresor. Du wirst
Deinen Frieden damit machen und es wird Dein Leben nicht beherrschen.
So geht es den meisten. Lass Dich von Jahrmärkten der Adoption im www
nicht irritieren, die meisten Adoptierten leben gut und „normal“ mit
ihrer Adoption. Wie gesagt, fast 200.000. Für die wenigsten ist es ein
lebenslanges Thema und es ist zudem keines, das den Alltag bestimmt,
auch wenn Du Dir das im Moment nicht vorstellen kannst. Dafür wurde
diese „Erste Hilfe“ geschrieben“. Wir können Hilfe anbieten. Deinen Weg
der Adoption musst Du aber selbst gehen, egal ob Autobahn oder schmaler
Grat, viele sind diesen Weg vor Dir gegangen und andere werden Dir
folgen.
Das Webteam
© Copyright by www.adoptionskreis.de